
RecyclingBörse! auf der Biennale in Venedig
Recycling-Design: Mit zwei Recycling-Designmöbeln aus der Holzwerkstatt ist die RecyclingBörse! in den Deutschen Pavillon auf die 11. Architektur Biennale vom 14. September bis 23.November in Venedig eingeladen. Die Biennale ist die weltweit bedeutendste Architektur-Ausstellung. Der Börsen-Beitrag ist außer einer Entwicklung eines Köln/ Berliner Architektenbüros der einzige aus NRW auf der Biennale. Aus ganz Deutschland werden 20 Projekte in Venedig präsentiert. Darunter ist das Design-Projekt der RecyclingBörse! das einzige, das mit Ressourcenschonung und CO2-Vermeidung die Qualifizierung und Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen verbindet.
Die von Börsen-Designer Oliver Schübbe (OS2-Designgroup) entwickelten Recycling-Möbel werden im Deutschen Pavillon ausgestellt: Die Sessel und Sofas „Pixelstar“ sowie die Tische „ExIKEA“.
Das Konzept des deutschen Venedig-Beitrages ist mit "updating Germany" überschrieben. „Es nimmt sich“, so die Organisatoren des Deutschen Pavillons in Venedig, „der Nachhaltigkeit in der Architektur an“, die auf verschiedenen Ebenen vermittelt werden solle. Unter anderem „sinnlich wahrnehmbar durch die Präsentation von Objekten: Dazu gehören Modelle, Prototypen und Materialproben“.
Zum RecyclingDesign-Projekt der RecyclingBörse! sagen die Kuratoren des Deutschen Pavillons der Biennale: "In Deutschland landen jährlich etwa sieben Millionen Tonnen Möbel auf dem Müll. ReDesign entgegnet diesem Luxus der Verschwendung und nutzt Altmöbel für die Produktion neuer Einrichtungsgegenstände. Neben der Müllvermeidung stehen bei der Produktion die Vermeidung von Co2-Emissionen und die Reintegration benachteiligter Jugendlicher und Langzeitarbeitsloser im Vordergrund. Mit seinen recycelten Möbeln unterstützt ReDesign eine notwendige Entwicklung weg von der „Wegwerfmentalität“ hin zu mehr Ressourcenschutz".
Mit den RecyclingDesign-Möbeln der RecyclingBörse! sind eine Lounge im Deutschen Pavillon und ein Podium ausgestattet, womit die Entwicklungen auch gleich ihren tatsächlichen praktischen Nutzwert beweisen können. Entdeckt wurden die ReDesign-Möbel von den Organisatoren des deutschen Beitrags der Venedig-Biennale im vergangenen Mai auf der Designmai-Ausstellung in Berlin.
„Praktisch könnte man sagen: Von der Mulde zum Möbel, vom Sperrmüll auf die Biennale“, so Börsen-Designer Oliver Schübbe. Denn das besondere an seinen Entwicklungen: Holz, Polsterung und Stoffe sind sämtlichst Alt- oder Restmaterialien, die als ausrangierte Schränke oder Tische andernfalls auf dem Sperrmüll und in der Müllverbrennung landen würden.
Unter Anleitung von Schübbe werden sie dagegen in der Holzwerkstatt der RecyclingBörse! in einem Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekt von Langzeitarbeitslosen, darunter viele junge Leute, in Einzelteile zerlegt als Rohstoff für neue Produkte genutzt: RecyclingDesign.
Die Idee zum RecyclingDesign entstand nicht am Reissbrett. Die RecyclingBörse! beschäftigt sich seit 25 Jahren als Second Hand Einrichtung tagtäglich mit der Frage der Verlängerung von Produktlebensdauer und Ressourcenschonung. Angesichts der regelmässig vollen Sperrmüllmulden mit selbst 2nd Hand nicht mehr verkäufichen Altmöbeln entstand die Idee des RecyclingDesigns aus diesem Abfallholz. Gefördert vom Arbeitsamt wurde eine Holzwerkstatt eingerichtet.
Und Börsen-Designer Schübbe entwickelt seither in diesem Projekt zur Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen diverse Ideen zur Herstellung von Möbeln aus "Abfallmaterial" zum weiteren ReUse, neben den Sesseln und Sofas unter anderem auch das Regalsystem "FRANK", den Liegestuhl MARTa aus Altmetall und ausgemusterten Werbebannern oder Stellwände für eine Kirchenausstellung. Zu Kooperationsprojekten gehören die Gestaltung eines Empfangsbereichs im Welthaus Bielefeld oder Ladeneinrichtungen anlässlich des Kiezfestivals Weddingdress in Berlin. Das Interesse an den Ideen dokumentieren auch Einladungen wie etwa zum stylepark Köln und zum Designmai in Berlin.
Weitere Informationen zur Biennale 2008: http://updating-germany.de/projekte/re-design
Der Arbeitskreis Recycling e.V. (AKR), der Trägerverein der RecyclingBörsen! wurde 1984 gegründet. Unter anderem im Zuge der Diskussionen um Müllverbrennung drängte die Einsicht in die ökologische Notwendigkeit der Müllvermeidung, des Wertstoffrecyclings und damit auch der Wiederverwertung und Weiterverwendung. Der AKR e.V. ist ein gemeinnütziger, selbständiger und unabhängiger Verein. Die RecyclingBörsen! sind sog. Zweckbetriebe des Vereins. Die Holzwerkstatt für RecyclingDesign-Möbel arbeitet seit circa zwei Jahren (siehe auch download "RecyclingDesign Holzwerkstatt Hintergrund Projektgeschichte" unten).
Unter dem Motto "Aus Alt mach´ ... Arbeit!“ wurden in den zurückliegenden zweieinhalb Jahrzehnten einige tausend Tonnen Wertstoffe recycelt - und, viel bedeutender, einige tausend Tonnen noch guter Sachen aller Art Second Hand weiterverwendet und statt eines vorzeitigen Endes in der Entsorgung in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt. Es wurde damit auch ein hochwertiges, attraktives und soziales Second-Hand-Angebot für viele "Bedürftige" geschaffen.
Motto und Konzept "Aus Alt mach´ ... Arbeit!“ konnten zu einem kleinen "Job-Motor" entwickelt werden: Inzwischen kann der AKR rund 50 ehemals (Langzeit-) Arbeitslose fest beschäftigen. Hinzu kommen bis zu 100 Plätze für "Qualifizierung und Beschäftigung".
Der AKR entwickelte seit der Gründung nicht nur innovative Ideen für Weiterverwendung, Recycling und Beschäftigung. Von Anfang an haben der Arbeitskreis Recycling e.V. und seine Mitglieder immer auch den Dialog mit Kunst und Kultur gesucht und selbst kulturelle Aktivitäten initiiert und durchgeführt.





