17.02.2012

5. RecyclingDesignpreis 2012

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung am 17. Februar

Am 17. Februar ab 19 Uhr wird der 5.RecyclingDesignpreis 2012 im Marta Herford verliehen. Die Ausstellung ist anschließend bis zum 1. April im Marta zu sehen. weiter lesen ...


03.02.2012

Zum 3. Mal ausgezeichnet vom Rat für Nachhaltigkeit!

Seit dem 3. Februar ist es amtlich:

Der Rat für Nachhatige Entwicklung, Berlin, hat die RecyclingBörse! im Rahmen ihres Werkstatt-N-Projektes 2012 zum dritten Mal ausgezeichnet!

 


01.02.2012

Der verborgene Sinn weggeworfener Dinge

Ein Zaun aus alten Langlaufskiern, ein Windspiel aus CDs, ein halber Globus als Lampenschirm, eine Autoscheibe als Dachunterstand: wer das Gelände der Herforder RecyclingBörse! betritt, merkt schnell, welch unkonventioneller Wind hier weht. Was eben noch Müll war, wird von Menschen, die eben noch arbeitslos waren, als Ware für die Second-Hand-Kaufhäuser und Läden der RecyclingBörse! aufbereitet oder zerlegt und wiederverwertet. Auch an diesem Nachmittag herrscht reges Treiben – der eine sucht im Kaufhaus nach günstigem Weihnachtsschmuck, besonderen Büchern oder einer Jacke. Der andere kommt vorbei, um ein paar Stühle und eine alte Kamera zu spenden. „Wir sind ein großer Flohmarkt“, erklärt Geschäftsführer Udo Holtkamp mit Understatement. Mehrere tausend Tonnen Müll konnten durch das Sozialunternehmen bislang vermieden und als Waren in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden – auch Kunst und Kultur profitieren davon.
„Gerade erst habe ich ein paar alte Spielzeugpistolen an das Berliner Museum der Dinge abgegeben“, erzählt der ehemalige Buchhändler und kramt aus einer Kiste waffeleisenförmige Untersetzer hervor, die eine Gestalterin aus gebrauchten Bundeswehrdecken geschaffen hat. Um solch müllvermeidende Innovationen ging es der RecyclingBörse!, als sie 2007 den RecyclingDesignpreis ins Leben rief. Der Preis fordert Kreative auf, sich – frei nach dem Dadaisten Kurt Schwitters – auf die Suche nach dem „verborgenen Sinn weggeworfener Dinge“ zu machen. Zuletzt, 2011, gewann eine Designerin, die aus einem PVC-Rohr und einem alten Traktorschlauch einen Hocker baute. Im Februar 2012 wird der Preis zum fünften Mal vergeben: 600 Gestalter aus 38 Ländern haben ihre aus „weggeworfenen Dingen“ geschaffenen Gebrauchs- und Dekorationsgegenstände eingereicht. Den Besten unter ihnen winken ein von der RecyclingBörse! gestiftetes Preisgeld und eine Ausstellung, unter anderem im örtlichen Prestigebau, dem Kunstmuseum MARTa Herford.
Mit dem RecyclingDesignpreis und der MARTa-Kooperation ist das Sozialunternehmen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dort stand es nicht immer. Alles begann 1983 mit einigen Arbeitslosen aus der „links-alternativen Ecke“, die Anstoß an der Müllverbrennungsanlage nahmen und ihre Suche nach Arbeit mit der Suche nach Alternativen zur Wegwerfkultur kombinierten. Sie gründeten den Arbeitskreis Recycling e.V., der seit 1984 die RecyclingBörse! als einen Zweckbetrieb unterhält. Die – letztlich denkbar simple – Idee, brauchbare Artikel vor der Mülldeponie zu retten und zu günstigen Preisen zu verkaufen, stand schnell: doch mangelte es an Spenden. „Das Bürgertum sah in uns linkes Pack – unterstützt haben uns zunächst nur die armen Socken“, erläutert Holtkamp.
Dass dennoch eine Erfolgsgeschichte erzählt werden kann, in der aus Arbeitslosen tatsächlich Mitarbeiter und aus ihrem anfangs skeptischen Umfeld Spenderinnen und Kunden geworden sind, liegt, laut Holtkamp, vor allem am Dialog mit der Kultur. Mit ein paar provokanten Kunstprojekten brachte sich der Arbeitskreis im Laufe der 1980er- und 1990er-Jahre ins Gespräch, lobte 1999 einen regionalen Recyclingkunstpreis und acht Jahre später schließlich den, inzwischen internationalen, RecyclingDesignpreis aus. Aus Alt wurde Kunst; die Bildungsbürger entdeckten, was „Müll“ alles kann – und das Recyclingprinzip landete in den Salons der kulturbeflissenen Gesellschaft.
Von diesem Umdenken profitierte die RecyclingBörse!, die sich im Laufe der Jahre über immer mehr Anerkennung und Spenden freuen durfte. Mittlerweile gilt sie, ohne das Provokationsprinzip an den Nagel gehängt zu haben, als mittelständischer Integrationsbetrieb. Etwa 115 Personen bietet die Börse derzeit eine kurz- oder längerfristige Arbeitsgelegenheit. Damit verschafft sie vielen Langzeitarbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern eine Perspektive, eine neue Qualifikation, einen erweiterten Horizont. Gemeinsam mit dem Herforder Designer Oliver Schübbe zerlegte beispielsweise eine Gruppe jugendlicher Langzeitarbeitsloser gespendete Möbel und schuf aus dem so gewonnenen Restholz die Regale und Tresen, die mittlerweile in den drei Ladenfilialen der RecyclingBörse! zu finden sind. Auch eine Kantine für das Herforder Second-Hand-Kaufhaus ist auf diese Weise entstanden. Hier rastet, wer sich vom Stöbern erholen will – und trifft womöglich auf einen Mitarbeiter, der gerade aus zwei oder drei alten Fahrrädern ein neues zusammengeschraubt hat.
Auch auf dem Bielefelder Wertstoffhof hat Holtkamp kürzlich einen Arbeitsplatz geschaffen: ein lernbehinderter Jugendlicher überzeugt nun die Bürger vor Ort, ihre brauchbaren Sachen nicht wegzuschmeißen, sondern zu spenden. „Das soll so eine Art Blaupause sein – vielleicht klappt es auch in anderen Städten.“ In Holtkamps Glatzkopf tummeln sich die Blaupausen. Schulen als Recyclingsammelstellen – warum nicht? Die Eltern brächten ihre Kinder doch eh mit dem Auto – da könnten sie Sperriges gleich mittransportieren und die Schüler an die Müllproblematik heranführen.
Gezieltes Sammeln hat sich bei der Börse schon öfters bewährt: Seit 2002 organisiert sie ihre Altkleidersammlungen über den örtlichen Umweltkalender, der 130.000 Haushalte erreicht. Durch die mit der Kommune koordinierte Textilsammlung wurden viele Herforder auf die RecyclingBörse! aufmerksam: der Umsatz stieg im Jahr darauf um 30 Prozent. „Die Leute haben sich an unsere Sammlungsaktionen gewöhnt.“
Die Werbetrommel rühren die Börsianer dennoch weiter. Beim Stadtfest sind sie mit einer Altkleidermodenschau, beim Weltkindertag mit selbstgebasteltem Spielzeug und beim Carnival der Kulturen mit originellen Wurfmaschinen vertreten. Dass das nicht nur Umsatz bringt, sondern auch Spaß macht, zeigt eine Fotodokumentation, die die Mitarbeiter in ihrem Spind aufbewahren. „Ich würde sogar bei einem Fest der CDU mitmachen“, sagt Holtkamp, der eine Designer-Brille zum Antiatomkraft-Button und einer alten Lederweste trägt.
Die Grenzen seiner Arbeit kennt er dennoch ganz genau: „Sustainable Design ist besser als Recyclingdesign“, reflektiert Holtkamp. Und: die Waren, die sich bei ihnen nicht verkaufen lassen, landen unvermeidbar doch in der Müllverbrennungsanlage, gegen die die Gründer der Börse einst demonstrierten. „Eigentlich müssten wir überflüssig werden, aber ich habe es aus Altersgründen aufgegeben, den Kapitalismus zu bekämpfen“, raunt Holtkamp und treibt stattdessen das kreative Spiel „Aus Alt mach…“ munter weiter. Dessen Reiz ist auch den Japanern nicht verborgen geblieben. Kurz nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima stellte sich das japanische Designmagazin Axis die Frage: wohin mit all dem Müll? Das Ergebnis der Recherche: eine Reportage über die RecyclingBörse! im fernen Herford.
Anne Giebel

Dateien:
FUTURZWEI_01.pdf292 K
Links:

futurzwei.org


24.01.2012

Sozialhelfer-Auszubildende zu Besuch in der Herforder Börse

Am Dienstag, den 24.01.2012, besuchte eine Klasse des Anna-Siemsen-Kollegs die Börse in Herford. Der Besuch fand im Rahmen ihrer Ausbildung zum Sozialhelfer/zur Sozialhelferin statt. Bei dem Rundgang durch die Börse lernten sie alle wesentlichen Bereiche der Börse kennen, von der Warenannahme, über die Elektro-Geräte-Testung bis hin zur Textil-Sortierung.

Darüber hinaus wurden der Klasse die eingesendeten Projekte des Schüler-RecyclingDesignPreis 2012 gezeigt.

Nach der Führung hatten alle Beteiligte Zeit, nach Herzenslust im umfangreichen SecondHand-Angebot der Börse zu stöbern und einzukaufen. Da die Börse in Herford für das öffentliche Publikum montags und dienstags geschlossen ist, konnten sie das Einkaufserlebnis ungestört genießen.

Für die bevorstehenden Abschlussprüfungen in diesem Jahr wünschen wir allen Schülerinnen und Schülern viel Erfolg!